Bin ich barrierefrei?
Machen Sie den Härtetest.
Ob eine Webpräsenz barrierefrei ist oder nicht, ist ihr meist nicht von außen
anzusehen. Es gibt jedoch eine Reihe von Hinweisen, die auch der technische
Laie leicht finden kann. Dabei ist nicht jeder dieser Hinweise als absolutes
Kriterium zu werten. Dennoch erhalten Sie auf diese Weise einen Eindruck,
ob beim Entwurf überhaupt an die Barrierefreiheit gedacht wurde.
Der Blick unter die Haube
Auch wer nichts von KFZ-Technik versteht, wird gern vor dem Kauf eines
Gebrauchtwagens einen Blick unter die Motorhaube werfen. Tun Sie dasselbe!
Anhand einiger Punkte können Sie sich auch ohne HTML-Wissen einen Eindruck
verschaffen.
Die Quelltext-Anzeige des Browsers
Semantischer Code
Semantik im Zusammenhang mit HTML bedeutet, daß beim Erstellen des Codes
zuerst an die logische Struktur des Dokumentes gedacht wurde – und noch nicht
an das optische Erscheinungsbild auf dem Bildschirm. Diese Vorgehensweise
zahlt sich aus.
-
Steht in der ersten Zeile eine Dokumententyp-Angabe? Diese sieht so aus:
„<!DOCTYPE…“.
-
Enthält der Quellcode Strukturelemente? Suchen Sie nach Überschriften
<h1>, <h2> und nach Listen <li>. Es gibt für diverse Zwecke speziell vorgesehene
Strukturelemente – wurden diese verwendet? Beispiele: Lange Zitate in <blockquote>,
Adressen in <address>, Glossare u.ä. mit <dl>, <dt> und <dd>.
Wenn ja: Gut!
-
Enthält der Quelltext eine Vielzahl der Elemente <tr> und <td>, ohne daß es
sich dabei um eine tatsächliche Tabelle handelt? Wenn ja, wurde Tabellenlayout
verwendet, was nicht mehr zeitgemäß ist (keine Trennung von Layout und Inhalt)
-
Haben Sie beim Lesen des Quelltextes den Eindruck, daß dieser – zumindest der Bereich
unterhalb von <body> – beinahe menschenlesbar ist? Sehr gut!
Valider Code
Ob der Code einer Seite valide, d. h. syntaktisch korrekt ist, läßt sich sehr
leicht ermitteln. Rufen Sie den Validator des W3C auf, dem offiziellen Gremium
für Web-Standards: http://validator.w3.org
Der Validator meldet: Alles im grünen Bereich
Geben Sie dort die URL der Seite ein, die Sie prüfen lassen möchten. Falls die
Seite fehlerfrei ist, erscheint der Hinweis: This page is valid…
gefolgt von der verwendeten HTML-Version.
Generell gilt: Nicht jeder Codefehler stellt eine Zugangsbarriere dar, und valider
Code allein stellt noch nicht die Barrierefreiheit sicher. Jedoch ist ein „OK“
vom Validator ein gutes Zeichen, daß hier gewissenhaft gearbeitet wurde.
Auf den Seiten von omniintro.de können Sie den Test machen, indem Sie den Link
„diese Seite prüfen“ am Ende der Seite aufrufen.
Abschalten, was sich abschalten läßt
-
Eine barrierefreie Webpräsenz muß ohne JavaScript oder andere clientseitige
Skriptsprachen zugänglich sein. Schalten Sie also einmal JavaScript im Browser ab
und probieren Sie, ob noch alle Seiten erreichbar sind.
-
Erschließen sich alle Inhalte auch dann noch, wenn Grafik abgeschaltet ist?
Das betrifft nicht nur Blinde. Auch bei sehr langsamen Verbindungen, was aus diversen
Gründen immer mal vorkommen kann, kann die Benutzerin Grafik abschalten um die Seite
schneller zu laden.
-
Legen Sie einmal die Maus beiseite und versuchen Sie, die Seite nur mit Hilfe der TAB-Taste
und der Eingabetaste zu navigieren. Auch das muß eine barrierefreie Seite leisten, denn
es gibt Menschen, die wegen einer Körperbehinderung keine Maus bedienen können – und es gibt
Menschen, die die Tastaturbedienung einfach vorziehen, da sie oft schneller und einfacher ist,
wenn man sie sie sich angeeignet hat.
-
Schriftvergrößerung: Versuchen Sie, die Schrift zu zoomen: Tastenkombination STRG und Plus oder Minus,
oder STRG halten und das Mausrädchen drehen. Wenn nichts passiert, handelt es sich um eine
alte Version des „Internet Explorer“ und die Schrift wurde ohne Rücksicht auf unterschiedliche
Bedürfnisse der Anwenderinnen festgelegt.
Der Browser Firefox skaliert die Schrift immer, allerdings zeigt sich hier, ob darauf beim Entwurf
der Seite geachtet wurde: Das Layout der Seite sollte auch bei vergrößerter oder verkleinerter Schrift
erhalten bleiben.